Ein altes Sennengebet

Der Alpen-Segen ("Betruf")

Ein Obwaldner Älpler, der den Betruf durch die "Folle"(Milchtrichter) rezitiert. Originalzeichnung des religiösen und weltlichen Historien-Malers Joseph Balmer, ca. 1862. aus Schweizerisches Kunstalbum (1862). Bildnachweis: Schweizerische Landesbibliothek, Bern.

Unter den Begriffen Bättruef (Betruf), Alpsäge (Alpsegen) und, seltener, Ave Maria, versteht man ein altes Sennengebet, das in katholischen Alpengebieten vor allem der deutschsprachigen Schweiz während des Alpsommers noch heute jeden Abend nach der Arbeit erklingt.

Ein Älpler ruft den einstimmigen, unbegleiteten Sprechgesang in einem mundartlich gefärbten Hochdeutsch durch die trichterartig vor den Mund gehaltenen Hände oder durch einen hölzernen Milchtrichter. In diesem Sprechgesang ruft der Senn nach allen vier Himmelsrichtungen die Jungfrau Maria und Heilige, die den Hirten gewogen sind, wie zum Beispiel St. Wendelin, an und bittet um Schutz für alle Lebewesen auf der Alp. Der Alpsegen lässt sich nur während des Alpsommers in den erwähnten Gebieten, nie aber bei touristischen Veranstaltungen oder Konzerten hören. Er dürfte sich aus diesem Grund in den letzten vierhundert Jahren kaum verändert haben.

Tonbeispiel: Urner Gebetsruf [704 KB]

Alter Gebetsruf, den man heute noch so hören kann:

Ho-ho-ho-oe-ho-ho-oe-ho-ho.
Ho-Lobe-ho-Lobe, nemmet all tritt in Gottes namen Lobe:
ho-Lobe nemmet all tritt in unser Lieben Frauen namen Lobe:
Jesus! Jesus! Jesus Christus,
Ave Maria, Ave Maria, Ave Maria.
Ach Lieber Herr Jesus Christ,
behut Gott allen Leib, Seel, Ehr, und Gut,
was in die Alp gehoeren thut.
Es walt Gott und unsere herz liebe Frauw;
Es walt Gott, und der heilig Sant Wendel;
Es walt Gott, und der heilig Sant Antonj;
Es walt Gott, und der heilig Sant Loy.
Ho-Lobe nemmet all Tritt in Gottes Namen Lobe

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