Improvisation auf blosse Silben
Ursprünge und Verbreitung
Die Ursprünge des Naturjodels gehen mit Sicherheit in eine sehr frühe Zeit zurück. Dieses textlose Singen mit fortwährendem Registerwechsel vom Brust- zum Kopfton ist jedoch nicht nur in unserem Alpenraum heimisch. Wir können von einer universellen Verbreitung des Jodelgesangs über die ganze Welt. Jodel-Kommunikationsformen existieren bei den afrikanischen Pygmäen (Mokombi), bei den Inuit, im Kaukasus, in Melanesien, in Palästina, China, Thailand und Kambodscha, in den USA, in Spanien ("Alalá"), in Sápmi (Lappland: Joik, auch Juoigan), in Schweden (Kulning, auch Kölning, Kaukning), in Polen und Rumänien.
Naturjodel
gehören zu den schönsten Formen schweizerischer Vokalmusik
Im Unterschied zum Jodellied, einer Kreation des 19. Jahrhunderts, dürfte der Naturjodel, eine mehrstimmige Improvisation auf blosse Silben, aus überlieferten Jauchzern gewachsen sein. Im Appenzellerland lassen sich diese Naturjodel (Zäuerli, Ruggusserli) in Gaststätten an Sonntagen und bei ländlichen Festen im Freien, aber auch bei touristischen Veranstaltungen, dann zur Begleitung von Schellenschütteln und Talerschwingen, und hinter Masken verzerrt besonders archaisch wirkend am alten Silvester (13. Januar) in Urnäsch/AR hören. Diese Naturjodel, die auch im Greyerzerland überliefert sind, gehören zu den schönsten Formen schweizerischer Vokalmusik.
Hörbeispiel
Zom Talerschwinge [5'561 KB]
(Schötzechörli Stein/AR)
auf: Schweizer Volksmusik im Jahreskreis, Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz GVS
Schötze-Chörli, Stein AR
Das Schötzechörli Stein AR unter der heutigen Leitung von Regula Bieri ging vor bald 40 Jahren aus einigen Schützen hervor, die nach einem Schützenfest nicht ins Schwarze trafen. Nach Appenzellerart setzten sie sich an einen Wirtshaustisch und stimmten zum Trost ein Zäuerli an. Ein witziger Gast meinte: "Ihr würet au gschiider singe statt schüsse." Das ist die Gründungsgeschichte dieses rund 20 Männer umfassenden, viel gerühmten Jodelchores.
Link: Schötze-Chörli