Adolf Stähli

Er gehört(e) zu den profiliertesten Jodelkomponisten

Adolf Stähli (rechts) anlässlich des 18. Eidg. Jodlerfestes 1981 in Burgdorf.

Adolf Stähli wurde am 2. Juni 1925 im Allmithaus in seinem Heimatdorf Oberhofen am Thunersee geboren. Der Bauern- und Alphirtensohn hatte, als einer der wenigen unter uns, immer eine tiefe und unmittelbare Beziehung zum einstigen «Urquell» des Jodelgesangs, zum Bauern- und Küherstand. Er hat, wie wohl die meisten Naturjodelschöpfer, seine ersten Melodien aus den Akkorden des «Zügelglüt» herausgehört. An den «Abesitzen» der Sennen wurde er dank seiner chächen Bubenstimme oft zum Jutzen aufgefordert. Dazu besass er ein natürliches Formgefühl und eine ausgeprägte dichterische Gabe, deren Niederschlag bereits in seinen Schulheften zu finden war. So stammen z.B. die ersten Textaufzeichnungen zum «Justistal-Lied» aus der Zeit des letzten Schuljahres. Mit der persönlichen, eigenständigen Note und den selbstverfassten Texten haben die Lieder Adolf Stählis das «gewisse Etwas» in sich, das das Volksempfinden anspricht. Wie wäre es sonst denkbar, dass gerade das «Justistal-Lied», dem man vom Thema her höchstens eine lokale Bedeutung beigemessen hätte, sich derart verbreiten konnte? Eine ähnliche Entwicklung erlebte das «Ankebälli», obwohl die Hochlage des prächtigen Jodels gewisse Grenzen setzt. Die Chorsätze der ersten Lieder erforderten noch die Mithilfe versierter Komponisten (Moser, Schweingruber).

Nachdem sich Adolf Stähli die nötigen Kenntnisse in Harmonielehre angeeignet hatte, erschienen seine nächsten Lieder «Oberländer Kuhreihen» und «Wenn’s im Ustig z’Alpe geit» im eigenen Satz. Von dort an ging es steil aufwärts. Das man Jodellieder auch schreiben kann, ohne als Thematik nur auf das Sennen- und Älplerleben zurückzugreifen, beweisen auf überzeugende Art die Kompositionen, die aus dem Repertoire der Jodlergruppen nicht mehr wegzudenken sind und immer wieder gern gesungen werden wie z.B. «Meyetag», «Am Thunersee», «Es Lied, wos Härz erfreut», «E gschänkte Tag», «Jung sy» oder «Soldanelle». Hervorragendes hat er auch in der Sparte Solo- und Duettlieder geleistet. Welche Jodlerin, welcher Jodler kennt nicht seine vier Heftchen «Liedli sälb zwöit» mit insgesamt 65 Liedern und Naturjutzen.

Aber auch in den Verbänden hat Adolf Stähli grosse Arbeit geleistet. Von 1965 bis 1979 gehörte er dem Vorstand des BKJV als Archivar, Sekretär, Kurschef, Vizepräsident und die letzten sechs Jahre als Präsident an. Von Amtes wegen Mitglied des Zentralvorstandes des EJV, übernahm er dort unter anderem auch die Funktion des Kurschefs. Von 1960 bis zu seiner Wahl zum Präsidenten des BKJV amtierte er als kantonaler und eidgenössischer Kampfrichter. Der grosse Kenner und Freund des Naturjodels war im BKJV auch ein unentbehrlicher Kursleiter. Sein Schaffen als Komponist und Funktionär wurde 1980 vom BKJV wie vom EJV mit der Ehrenmitgliedschaft belohnt. 1988 erhielt er den Kulturförderungspreis des Kantons Bern, 1994 den Ehren-Prix Walo. Ebenfalls war er Preisträger des Goldenen Violinschlüssels.

Adolf Stähli, Jodler, Dirigent, Komponist und Dichter, ist am 31. Mai 1999 – zwei Tage vor seinem 74. Geburtstag – nach längerer Krankheit in Oberhofen gestorben. Er hinterlässt uns ein breites volksmusikalisches und dichterisches Werk. Er war auch langjähriger musikalischer Leiter des Jodelklubs Oberhofen und komponierte über 80 Lieder und Naturjodel für Chor, Duett und Solo.

(Quelle «75 Jahre Eidgenössischer Jodlerverband»)

Literatur: Paul Amacher, Adolf Stähli, Komponist, Dichter, Jodler und Dirigent, 1997, Ringier AG, Buchverlag, Zürich

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